Bau der A46 - Bürgermeister-Kandidat*innen der Region sind sehr unterschiedlicher Meinung

Die heimischen Kandidat*innen zur Wahl der Bürgermeister*innen am 13. September sind hinsichtlich des geplanten Baus der A46 von Hemer durch Menden bis nach Wickede (Ruhr)/Ense sehr unterschiedlicher Meinung. Das ist das Ergebnis einer Anfrage der Gruppeninitiative für eine Region ohne Autobahn (Giga46).

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Ein klares Nein zur Autobahn kommt dabei von den beiden parteilosen Kandidaten Roland Schröder und Andreas Nolte aus Menden. Nachdenklich äußern sich Martin Michalzik aus Wickede (Ruhr) und Rainer Busemann aus Ense. Beide betonen unter anderem die durch den Bau entstehenden Belastungen durch zusätzlichen Lärm für die Bürger*innen in Wimbern, Echthausen und Ense sowie die Zerschneidung der Landschaft.  

Inga Westermann aus Wickede (Ruhr) will zunächst im Rahmen des weiteren Planungsverfahrens wissen, wie sich der Bau der Autobahn konkret auswirkt. 

Befürworter der Autobahn sind Christian Schweitzer und Christa Kunze aus Hemer sowie Sebastian Arlt aus Menden, allerdings jeweils unter bestimmten Voraussetzungen.  

„Das Ergebnis unserer Umfrage zeigt eines ganz klar: So einig, wie sich das die Befürworter der A46 wünschen, ist sich die Region nicht. Nur drei von acht Bürgermeisterkandidat*innen sprechen sich eindeutig für die Autobahn aus. Die Antworten zeigen deutlich, dass der geplante Bau der A46 vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Diskussionen um eine notwendige Verkehrswende zunehmend skeptischer gesehen wird. Die A46/b7n ist ein 19 Kilometer langer Borkenkäfer aus Beton, der nicht mehr in die Zeit passt. Statt Autobahnfantasien aus dem letzten Jahrhundert brauchen wir zukunftsfähige und klimagerechte Verkehrskonzepte. Für die A46 und ihre laufenden Planungen gilt deshalb: Weiter so war gestern. Wir verstehen unsere Umfrage auch als Unterstützung für diejenigen, für die bei der Kommunalwahl der Bau der A46 ein wichtiges Kriterium ist. Sie können sich anhand der Antworten der Bürgermeister-Kandidat*innen ein eigenes Bild machen", kommentieren die Sprecher  der GigA, Stefan Neuhaus und Lothar Kemmerzell.

Die Statements in voller Länge finden Sie hier.


Auszüge aus den Statements:


Christian Schweitzer, Hemer:
„Die Entscheidung des Bundestages, das Projekt „46sieben“ im Bundesverkehrswegeplan 2030 im vordringlichen Bedarf einzustufen, akzeptiere und befürworte ich aus den nachfolgenden Gründen… Entscheidend für mich als Hemeraner ist die Entlastung von hunderten Bürgerinnen und Bürgern, die heute z.B. an der B7 massiv durch bis zu 25.000 KFZ/Tag mit Lärm und Schadstoffen belastet werden.    Eine angemessene verkehrliche Anbindung unserer Region ist auch für unsere Unternehmen erforderlich…Gleichwohl wäre es mir als Bürgermeister sehr wichtig, die hemerspezifischen Anforderungen und Interessen in den Planungsprozess einzubringen. Es geht hier um die Sicherheit und Gewissheit für die Bürgerinnen und Bürger in Landhausen/Stübecken, die von einer Untertunnelung betroffen wären, dass durch angemessene Vorkehrungen gewährleistet wird, dass keine Schäden und Beeinträchtigungen an deren Immobilien entstehen. Zudem ist der wertvolle Freiraum, z.B. im Bereich der Waldemei, zu schützen.“

Christa Kunze, Hemer
„Der Weiterbau der A46 ist mit guten Gründen als vordringlich eingestuft. Es dient einem Lückenschluss und ist kostengünstiger als ein Neubau. Eine beachtliche Belastung der Nachbarstadt Menden wird in einem Gutachten, von den Städten Iserlohn, Menden und Hemer in Auftrag gegeben, verneint. Im Übrigen ist eine gute Verkehrsanbindung auch mit Blick auf Arbeitsplätze sinnvoll. Die Unternehmen profitieren nicht nur für Ihre Waren- und Dienstleistungen von einer verbesserten Logistik. Auch dem zukünftig zu befürchtenden Fachkräftemangel kann so begegnet werden. Während der Planungen ist selbstverständlich darauf zu achten, die Eingriffe in Natur und Landschaft möglichst gering zu halten…..Der Weiterbau dient mithin sowohl der Sicherheit als auch der Leichtigkeit des Straßenverkehrs.“

Sebastian Arlt, Menden:
„Der Rat der Stadt Menden hat bereits eine klare Position zu einem möglichen Weiterbau der A 46 eingenommen und dabei folgende Voraussetzungen formuliert:
1. Keine Zerschneidung des Stadtgebietes durch Brückenbauwerke u. ä.,
2. Untertunnelung des Hönnetals als Alternative,
3. Durchgehende Ausgestaltung als Autobahn; also keine Kombilösung mit A 46/B 7,
4. Realisierung in einem Zug; also keine zeitliche Stückelung der Baumaßnahme.
Unter diesen Vorgaben ist auch für mich eine Lösung denkbar. Offensichtlich erfüllt der planerische Ansatz des Bundesverkehrswegeplanes diese Voraussetzungen jedoch nicht. Von daher wäre es meine Aufgabe, alle politischen und rechtlichen Hebel in Bewegung zu setzen, um die derzeit avisierte Lösung konsequent und nachhaltig zu verhindern und auf die Einhaltung der durch den Rat formulierten Vorgaben zu drängen.“

Roland Schröder, Menden
„Als Bürgermeister der Stadt Menden ist es mein erklärtes Ziel, Mobilität lokal wie regional neu und innovativ zu denken. Nur eine intelligente Vernetzung aller Verkehrsträger, vom Auto über den ÖPNV, Radwege und sichere Fußgängerbereiche wird den Anforderungen eines zu Recht bestehenden Anpruchs auf komfortable Mobilität (ob beruflich oder privat) und Klimaschutz und nachhaltigem Handeln gerecht….Unsere Natur ist ein wichtiger Baustein, der durch die Autobahn unwiderruflich zerstört würde. Wenn die für den Bau einer Autobahn geplanten Gelder in intelligente, regionale Verkehrskonzepte investiert werden, können wir den Bedürfnissen der zahlreichen Pendlerinnen und Pendler ebenso gerecht werden wie den unbestreitbaren Anforderungen des Klimaschutzes….
Die Mendenerinnen und Mendener, der Bürgermeister, Politik und Verwaltung sind gut beraten, sich für ein modernes und integriertes Verkehrskonzept ohne Autobahn einzusetzen.“

Andreas Nolte, Menden
„Wir stehen vor einer tiefgreifenden Verkehrswende. Die Mobilität der Zukunft wird völlig neu gedacht. Da passt es nicht ins Bild, an den in den 60er-/70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelten Plänen der A46 festzuhalten. Ich spreche mich anstelle des Weiterbaus der A46 für die Suche nach alternativen verkehrsintelligenten Lösungen aus.
Menden ist jetzt schon gut an das Autobahnnetz angebunden. Es bedarf nur weniger Minuten, dann hat man die Autobahnen in Iserlohn, Neheim oder Unna erreicht…Aus städtebaulicher Sicht kann ich den Weiterbau ebenfalls nicht befürworten. Ich möchte nicht mitverantwortlich dafür sein, dass das noch in der Entstehung befindliche Naherholungsgebiet „Oeseteiche“, unser schönes, sehr gut besuchtes Naherholungsgebiet „Hexenteich“ sowie die zusammenhängenden großen Mischwaldgebiete von der Waldemei bis nach Oesbern durch ein riesiges Straßenbauwerk, teilweise auf Betonpfeilern stehend, zerschnitten und im Grunde dadurch zerstört werden…Als Bürgermeister werde ich mich anstelle des Weiterbaus der A46 auf allen Ebenen für eine moderne, den verkehrlichen Anforderungen der Zukunft gerecht werdende Verkehrsplanung einsetzen.“

Martin Michalzik, Wickede  
„Ihre Forderung nach einer zukunftsfähigen, umweltschonenden und klimagerechten Mobilität teile ich gerne… Beim Lückenschluss der A46 bzw. B7neu hat das einst starke Argument der besseren Anbindung des Hochsauerlandes nach Westen (Rhein/Ruhr-Raum) mit der steten Nordverschiebung der Linien - immer näher an die A445 - für mich viel an Überzeugungskraft verloren. Dies führte schließlich zu einer Planung, bei der Wickede (Ruhr) durch Autobahnen auf gleich drei Seiten eingefasst worden wäre: Schlückingen im Norden, Echthausen im Osten und Süden, Wimbern im Süden. Diese Perspektive, die nur mit Knotenpunkten im Ruhrgebiet vergleichbar ist, halte ich für unverträglich… Es bleibt fraglich, ob sich dafür tatsächlich eine Straßenführung finden lässt, die zu den hohen Schutzbelangen von Natur und Landschaft passt und dem Anwohnerschutz in Wimbern und Echthausen z.B. hinsichtlich Lärm entsprechen kann. Auch die damit verbundenen Flächenverluste und Zerschneidungen in der Landschaft sehe ich mit Sorge und als Einbuße an Lebensqualität. Ich möchte mit einem abschließenden eigenen Urteil aber noch die anstehenden Gespräche in den Dialog-Gremien abwarten.“

Inga Westermann, Wickede
„Gehen Sie bitte davon aus, dass ich mich für eine zukunftsfähige und klimagerechte Verkehrsplanung einsetzen werde. Für mich ist es wichtig, alle Daten und Fakten bezüglich des Projektes A46-B7 zu bewerten… Als Bürgermeisterin werde ich die weiteren Schritte des Planungsverfahrens stets aufmerksam und kritisch begleiten. Dabei leiten mich folgende Fragen: Wie sieht die Belastung durch eine Trasse für Wickede (Ruhr), insbesondere Wimbern und Echthausen aus? Welche Gebiete, insbesondere Waldgebiete, wären betroffen und würden möglicherweise zerschnitten? Wie werden die konkreten Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt bewertet? Wie erhalten wir wertvollen Lebensraum für Tier und Mensch? Wie werden Verkehrsströme und deren Veränderungen bewertet? Meine Forderungen sehen daher wie folgt aus: Wertvolle Waldgebiete und Grünzüge erhalten. Lebensraum von Tier und Mensch schützen. Mensch und Tier vor Lärm und Schadstoff-Belastung schützen. Wassergewinnungsgelände sichern. Verkehrsbelastung für Wickede (Ruhr) nachhaltig reduzieren. Wickede (Ruhr) mit moderner Mobilität zukunftsfest machen“

Rainer Busemann, Ense
„Der geplante Lückenschluss der A46, mittlerweile auch durch einen dreispurigen Neubau der B7, beschäftigt die betroffenen Kommunen bereits seit vielen Jahren…
Ein wichtiger Faktor ist, dass durch eine mögliche Trassenführung Verkehrslärm entstehen würde, der vor allem die Bürgerinnen und Bürger in den westlichen Enser Ortsteilen (Waltringen, Hünningen und Lüttringen) belasten könnte. Die westlichen Ortsteile haben bereits jetzt viele Belastungen zu tragen, zum Beispiel durch die vorhandene A445, den Flugplatz Arnsberg-Menden oder die dortige Motocross-Strecke in Voßwinkel…Ein weiterer Faktor ist selbstverständlich der Umweltaspekt. Als Bürgermeisterkandidat der Gemeinde Ense liegt es mir besonders am Herzen, dass unsere Gemeinde grüner wird und den Umweltschutz weiterhin voranbringt. Daher werde ich dafür kämpfen, dass die Interessen der Enser Bürgerinnen und Bürger bestmögliche Berücksichtigung finden und ein möglicher Trassenverlauf, sowie der Anschlusspunkt an die A445 möglichst weit nach Süden gelegt werden.“

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