30 Jahre für eine Region ohne Autobahn - 30 Jahre für eine Verkehrswende

Gruppeninitiative gegen den Bau der A46 wurde im November 1995 gegründet

Vor genau dreißig Jahren gründete sich die Gruppeninitiative gegen den Bau der A46 (GigA 46).
Ausgangspunkt der Gründung war damals ein neuer Trassenvorschlag für die Autobahn
zwischen Hemer, Menden, Wickede und Arnsberg sowie die dafür vorgelegte
Umweltverträglichkeitsstudie. Die damalige Landtagsabgeordnete der GRÜNEN aus Balve,
Brigitte Herrmann, hatte dazu zu einer Veranstaltung in den Bürgersaal in Menden geladen.
„Der Saal war an diesem Abend rappelvoll“, erinnert sich Stefan Neuhaus, damals Mitarbeiter
von Brigitte Herrmann und bis heute einer der Sprecher der GigA. „Von Klimawandel war damals
noch kaum eine Rede. Trotzdem waren aus der ganzen Region Menschen nach Menden
gekommen, um sich über den neuen Trassenvorschlag und die Auswirkungen zu informieren. Es
gab nur wenige Wochen Zeit, um Einwände dagegen einzureichen. Mit der Veranstaltung wollten
wir nicht nur informieren, sondern auch die Sammlung der Einwände unterstützen. Daraus ist
dann noch am selben Abend die Idee eines engeren Zusammenschlusses verschiedenster
Gruppen und Organisationen entstanden – der GigA, die sich dann Ende November 1995
gründete.“

Erste Trasse durch den Luerwald war 1995 schon gescheitert
Nach dem Ende des Baus der Autobahn 1976 in Hemer gab es in den 1980er Jahren einen ersten
Vorschlag für eine Trasse der A46 zwischen Hemer und der A 445. Die damalige Linie führte wie
fast mit dem Lineal gezogen durch den Luerwald, der heute aufgrund seiner ökologischen
Bedeutung Europäisches Schutzgebiet ist. Bis heute steht dafür zwischen Menden und
Lendringsen eine entsprechende Fläche für die Trasse im Flächennutzungsplan der Stadt.
Schon bald war aber klar, dass diese Linienführung aus ökologischen Gründen nicht zu halten
war. Der Widertand wurde damals maßgeblich von der Initiative STOPP A46 getragen, die sich
anschließend dann auf die Planungen der Autobahn im Hochsauerland konzentrierte.

Trassenvorschlag von 1995 - bis heute kein Meter gebaut
Gründungsimpuls der GigA war dann 1995 der nächste Vorschlag, der seitdem die Grundlage für
die Diskussion um die Autobahn ist. Er führt vom jetzigen Autobahnende mit einem Tunnel unter
dem Stübecken in Hemer durch das Waldgebiet zwischen Hemer und Menden, quert die B 7 mit
einer großen Brücke in der Nähe der Oeseteiche an der Edelburg, führt dann durch den
Mendener Haunsberg mit einer großen Brücke über die Horlecke weiter Richtung
Hexenteich/Spitthof und dann durch das gesamte Gelände bis hoch zur Windkraftanlage in

Oesbern. Dort geht es dann weiter Richtung Werringsen und Barge und führt zwischen den
beiden Wimberner Ortsteilen Richtung Ruhrtal, um dort mit einer großen Brücke direkt vor Ense
an die A445 anzuschließen.

Stefan Neuhaus: „Als eine der ersten Aktionen haben wir damals eine Studie in Auftrag
gegeben, um die Möglichkeiten einer sogenannten Netzlösung auf vorhandenen Straßen zu
untersuchen. Die Studie der Universität Bonn kam zu dem klaren Ergebnis, dass es sehr viel Sinn
macht, den moderaten Ausbau vorhandener Straßen alternativ zu untersuchen. Leider ist das
politisch vor Ort in den Stadträten nie unterstützt worden. Hätte man das damals bereits
gemacht, wären wir heute wahrscheinlich hinsichtlich der Lösung vorhandener
Verkehrsprobleme in der Region bedeutend weiter.“

Sehr schnell wuchs die GigA dann auf inzwischen fast zwanzig Organisationen an, darunter
Bürgerinitiativen vor Ort, Naturschutzverbände, Verkehrsverkehrsinitiativen, aber auch
politische Parteien und Fraktionen. „Das hat der Initiative schnell eine Schlagkraft verliehen, die
bis heute anhält.“

Auch neues Linienbestimmungsverfahren von 2018 ist faktisch gescheitert
Auch der 1995-Vorschlag wurde trotz mehrfacher kleiner Änderungen bis heute nicht realisiert
und scheiterte insbesondere an einer Trassenfindung im Bereich Arnsberg/Wickede. 2016 wurde
die A46 erneut in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, allerdings auf der Strecke
zwischen Menden und Wickede/Arnsberg nur noch als dreispurige Bundesstraße. 2018 wurde
für diesen Vorschlag ein neues Linienbestimmungsverfahren eingeleitet und der
Untersuchungsraum für eine Trasse nach Norden und Süden massiv ausgeweitet. Seit
inzwischen fast vier Jahren ist dieses Verfahren allerdings ohne weitere Beschlussfassung bis
heute nicht fortgesetzt worden und damit faktisch erneut gescheitert.

Schneemänner, Spaziergänge, Särge und Baumpatenschaften für eine Region ohne
Autobahn
„Dreißig Jahre, fünf Bundeskanzler und zwölf Bundesverkehrsminister später ist noch immer
kein einziger Meter dieser Autobahn gebaut. Es gibt auch keine wahrnehmbaren öffentlichen Stimmen mehr, die den Bau fordern“, bilanzieren Stefan Neuhaus und Lothar Kemmerzell, Co-
Sprecher der GigA. „Das ist nicht nur, aber auch den vielen Aktionen und Einwänden der GigA sowie den vielen tausend Menschen zu verdanken, die sich in den letzten drei Jahrzehnten für
eine Region ohne Autobahn engagiert haben – mit Spaziergängen, Demonstrationen und
Aktionen an verschiedenen Stellen einer möglichen Trasse. Wir haben Bäume auf der möglichen
Trasse gepflanzt, Blockade-Schneemänner gebaut, Baumpatenschaften für die vom Bau
bedrohten Bäume vergeben, die A46 symbolisch zu Grabe getragen und selber
Naturschutzgebiete ausgewiesen. Es gab Kunstinstallationen, Bauernproteste mit Treckern und
sogar eine eigene Aktion im Mendener Straßenkarneval. Besonders spektakulär war eine Aktion
vor der Bundestagswahl 2021 in Oesbern, bei der wir mit einem über hundert Meter langen
Transparent auf einem Feld zeigen konnten, wie eine Autobahn vor Ort aussehen und in die
Landschaft eingreifen würde.“

Und immer wieder gab es auch Unterstützung durch neue und zeitlich begrenzte Aktivitäten wie
zum Beispiel durch die Mendener Erklärung mit bekannten Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur
und Wirtschaft oder auch eine Petition an die betreffenden Stadträte, die jeweils von mehreren
tausend Menschen unterzeichnet wurden. Und auch die Initiative KUK, die mit vielen Aktionen
auf die Auswirkungen der Autobahn aufmerksam gemacht hat, ist ein Puzzlestück des
Widerstands der letzten Jahrzehnte. Inzwischen ist die GigA im bundesweiten Bündnis
Verkehrsinitiativen mit vielen anderen Initiativen vernetzt und fordert gemeinsam mit dem Bündnis ein Moratorium für alle Projekte im Bundesverkehrswegeplan. Die Solidarität über
regionale Grenzen hinweg konnte man auch im letzten Sommer bei einem Besuch der
bundesweiten „Tour de Natur“ erleben.

Als einer der Sprecher der GigA wurde Stefan Neuhaus bei alledem in den dreißig Jahren
begleitet von Sascha Wendling aus Arnsberg, Claudia Mölle aus Menden und zuletzt Lothar
Kemmerzell aus Wickede.

Planung der A46 scheitert an sich selbst

„Bei allen Aktionen - letztendlich scheitet die Planung der A46 aber an sich selbst. Es gibt
einfach zu viele und nicht ausräumbare Gründe, die gegen die Autobahn sprechen.“
So ist die A46/B7n - wie sie inzwischen offiziell heißt - eines von 130 Projekten im
Bundesverkehrswegeplan mit der höchsten Umweltbetroffenheit. Aus gutem Grund: Denn In der
gesamten Region zwischen Hemer, Menden, Wickede und Arnsberg liegen zahlreiche, zum Teil
große und zusammenhängende europäische Schutz- und FFH-Gebiete, Natur- und
Landschaftsschutzgebiete, Vogelschutzgebiete und Biotope sowie Naherholungsgebiete. Eine
menschen- und umweltfreundliche Trasse gibt es nicht. Im Gegenteil: Die A46 wäre ein 19
Kilometer langer Borkenkäfer aus Beton mit Kosten von inzwischen weit über 700 Millionen
Euro. Dabei ist ihre verkehrliche Bedeutung vor Ort fast gleich Null. Denn es gibt in der Region
zwischen Hemer, Menden, Wickede und Arnsberg kein Problem mit überregionalem Verkehr,
der auf eine Autobahn verlagert werden müsste. Dieser Verkehr würde erst mit dem Bau der
Autobahn entstehen. Bereits vor einigen Jahren wurde die A46 deshalb vom Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND) in die Liste der zwölf unsinnigsten Verkehrsprojekte in
Deutschland aufgenommen.

Die eigentlichen Verkehrsprobleme entstehen in der Region selbst. Das haben vor kurzem auch
nochmal die neuen Daten der Pendlerströme der Städte gezeigt. Alleine zwischen Menden,
Hemer und Iserlohn pendeln jeden Tag ca. 16.000 Menschen und stehen dabei morgens und
nachmittags im Stau. Um das zu lösen, braucht es andere Lösungen als eine überregionale
Autobahn. Das betrifft insbesondere die Situation an der Kreuzung in Niederhemer. Und auch in
Wickede würde nach einer Verkehrsuntersuchung von Straßen.NRW die B63 als Ortsdurchfahrt
so gut wie gar nicht entlastet. Dazu kommt: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. Das zeigen
viele Beispiele an anderen Orten. Mit 49,3 Millionen zugelassenen Fahrzeugen hat Deutschland
2025 einen neuen Rekord erreicht. Es gibt also nicht zu wenige Straßen, sondern schlicht zu
viele Fahrzeuge. Gleichzeitig schreitet der Klimawandel fast unumkehrbar weiter - mit allen
seien dramatischen Auswirkungen.

Lothar Kemmerzell: „Die vielen guten Gründe gegen den Bau der A 46 haben dazu geführt, dass
in den letzten Jahren mehrere Städte in der Region eindeutige Beschlüsse gegen den Bau der
Autobahn gefasst haben. So lehnen Arnsberg, Wickede und Ense die weiteren Planungen ohne
Wenn und Aber ab. In Fröndenberg gibt es einen Beschluss, der sich gegen jegliche Planungen in
der Nähe der Ruhr ausspricht. Und in Menden hat die Verwaltung vor zwei Jahren ein Papier
vorgelegt, das sich ebenfalls eindeutig für eine Beendigung der Planungen und für die
Entwicklung neuer (inter)kommunaler Mobilitätskonzepte unter Einbeziehung aller
Verkehrsmittel ausspricht. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Hier ist die neue Bürgermeisterin
gefragt, dieses Papier der Verwaltung erneut dem Rat vorzulegen und dafür zu werben. Und es
braucht eine Initiative der Bürgermeister*innen, um mit den gebündelten Beschlüssen Land und
Bund zu vermitteln, dass die A46 in der Region von fast allen betroffenen Städten und
Gemeinden nicht mehr gewollt wird.“

Nach dreißig Jahren: Gefeiert wird erst zum Schluss

Dreißig Jahre nach ihrer Gründung verzichtet die GigA allerdings bewusst auf eine Feier. Und das
aus guten Gründen. „Wir sind stolz, dass es die Initiative schon so lange gibt. Das wäre nicht
gelungen ohne das Engagement von so vielen Menschen im Laufe der drei Jahrzehnte. Aber:
Nach wie vor steht die A46 im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Die
Planungen sind also noch immer nicht beendet. Dazu kommt, dass die schwarz-rote
Bundesregierung plant, die Verkehrsinfrastrukturen und damit auch die Autobahnen weiter
auszubauen. Und das sogar schneller als bisher, weil die Verfahren beschleunigt und die
Einspruchsmöglichkeiten reduziert werden sollen. Zusätzlich spielt der Bau der Autobahn
wahrscheinlich noch eine ganz neue Rolle bei allen militärischen Planungen als West-Ost
Verbindung. Der Tanz geht also weiter. Gefeiert wird erst zum Schluss “, so abschließend Stefan
Neuhaus und Lothar Kemmerzell.

GigA46, c/o Lothar Kemmerzell, Ringstraße, 58739 Wickede (Ruhr)

Mitglieder der GigA 46 sind:

Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club (ADFC) Menden ● Bürgerinitiative StoppT A445 e.V.
Bürgerinitiative Holzen/Oelinghauser Heide ● Bürgergemeinschaft Wickede e.V. ●
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Arnsberg ● BUND Hochsauerland ●
Bündnis 90/ Die GRÜNEN Arnsberg und HSK ● Bündnis 90/ DIE GRÜNEN Ense ●
Bündnis 90/ Die GRÜNEN Fröndenberg ● Bündnis 90/ Die GRÜNEN Kreisverband Mark ●
Bündnis 90/ Die GRÜNEN Menden ● DIE LINKE Stadtverband und Fraktion Menden ●
GRÜNE Alternative Hemer ● Interessengemeinschaft Hemer/Stübecken ●
Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW e.V. (LNU) ●
Naturschutzbund Deutschland (NABU) Märkischer Kreis ● SPD Fraktion Arnsberg ●
SPD Ortsverein Menden ● Verein für Natur- und Vogelschutz HSK ● Verkehrsclub Deutschland (VCD) Hagen

Sofort-Kontakt
(0152) 29 21 86 67